13 Stolpersteine verlegt

01.06.2007

Über Lebensgeschichten "stolpern"

Stolpersteine Zwei Stolpersteine am Kornmarkt 21. (Foto: Silke Arnold)

Gunter Demnig, Künstler aus Köln, weilte am vergangenen Samstag auf Einladung des Bündnisses "ABGemeinsam gegen Rechts" in Altenburg. Demnig sollte aber nicht nur die reizvolle Architektur der Skat- und Residenzstadt genießen, das Bündnis hatte ihn für eine besondere Aktion hierher geholt.
Die Initiatoren waren auf Demnigs Projekt "Stolpersteine" aufmerksam geworden, zu dem der Künstler 1993 die Ursprungsidee hatte. Gunter Demnig verlegt an den letzten frei gewählten Wohnorten von Opfern des NS-Regimes im Trottoir Betonwürfel mit einer zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatte, die den Schriftzug "Hier wohnte" sowie den Namen, das Geburtsjahr und das Schicksal des Menschen (meist Deportations- oder Todesdatum) enthält. Getreu dem Leitspruch "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist" soll die Aktion an das Schicksal der ehemaligen Bürger erinnern.
Altenburg befindet sich seit dem vergangenen Samstag in Gesellschaft von 223 anderen Städten und Gemeinden in Deutschland und außerhalb, die sich an diesem Projekt beteiligt haben. Insgesamt 13 solcher "Stolpersteine" hat der Künstler für ehemalige jüdische Mitbürger an drei Stellen in der Innenstadt (Kornmarkt 21, Kronengasse 2, Teichstraße 2) verlegt. Zuvor hatte das Bündnis ABGemeinsam gegen Rechts die entsprechenden Daten ermittelt und Sponsoren für die Steine geworben. Beteiligt hatten sich alle drei Stadtratsfraktionen, die Parteien bzw. ihre Jugendorganisationen, der Oberbürgermeister, kirchliche Einrichtungen sowie Unternehmer.
Superintendentin Anne-Kristin Ibrügger sprach ein paar einleitende Worte und erinnerte dabei nicht nur an geschichtliche Aspekte, sondern zog auch Parallelen zur Gegenwart. Gunter Demnig sagte in seinem Redebeitrag, dass ihm seitens der Initiatoren und auch der Stadt eine sehr große Unterstützung zuteil wurde, was nicht immer der Fall sei. Er erzählte außerdem, dass zwischenzeitlich weit über 11.000 Steine verlegt seien, es aber immer noch Städte gebe, in denen ein solches Projekt tabu ist.
Unter musikalischer Begleitung vom Posaunenchor Altenburg legten Initiatoren, Sponsoren und interessierte Bürger Blumen an der Verlegstelle bei der Altenburger Tourismus-Information nieder, nachdem Demnig dort kurz nach elf Uhr die ersten Steine verlegt hatte.
"Ich finde das Engagement des Bündnisses sehr lobenswert und habe deshalb auch das Projekt natürlich gern unterstützt. Mit den Stolpersteinen haben wir nicht nur die Möglichkeit des Gedenkens an die ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger, sie dienen auch zur Mahnung, wozu Menschen fähig sind. Ich möchte allen Beteiligten recht herzlich für ihren Einsatz danken", so das Stadtoberhaupt Michael Wolf.
Da die Spendenbereitschaft sehr groß war, wird bereits über eine Fortsetzung des Projekts nachgedacht.

Im Auftrag
gez. Repkewitz
Büro des Oberbürgermeisters


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