Gedenkveranstaltungen am 9. November

13.11.2019

An den Wert der Freiheit erinnert

Gedenkveranstaltungen Zum Auftakt versammelten sich die Teilnehmer in der katholischen Kirche.

An zwei denkwürdige Ereignisse der deutschen Geschichte wurde am 9. November auch in Altenburg erinnert: Die Judenpogrome von 1938 und die friedliche Revolution von 1989. Als Leitmotiv, das beide Veranstaltungen zusammenführte, erwies sich die Würdigung des Werts der Freiheit. Gut 150 Menschen folgten der Einladung zum Gedenken, die verschiedene Organisatoren gemeinsam ausgesprochen hatten.

Zunächst versammelten sich die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung in der katholischen Kirche. Dort wandte sich Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann eindringlich gegen Forderungen, unter das Erinnern an die Nazi-Verbrechen einen Schluss-Strich zu ziehen. Der Sinn des Erinnerns liege nicht im Bekenntnis einer Art Kollektivschuld, sondern in der Wahrnehmung der historischen Verantwortung für das ungeheuerliche Geschehen.

Das Stadtoberhaupt zeigte sich angesichts aktueller antisemitischer Übergriffe besorgt. „Es sollte uns in jedem Fall bedenklich stimmen, wenn das Vokabular des Dritten Reichs schleichend wieder Einzug hält“, sagte der Oberbürgermeister. Und weiter: „Es ist auch unverständlich, wenn Gerichte klar beleidigende Bezeichnungen als gerade noch zulässig erachten.“ Er warnte davor, die öffentliche Debatte „Spaltern und Hetzern“ zu überlassen. Der wünschenswerte „Aufstand der Anständigen“ sei keine Sache, die man an Politiker delegieren könne. Sich gegen Hass, Rassismus und Hetze aufzulehnen sei heute wichtiger denn je.

Nachdem der hauptamtliche Beigeordnete des Landkreises, Matthias Bergmann und der Pfarrer der gastgebenden Katholischen Kirche, Konrad Köst, ihre Redebeiträge beendet hatten, setzte sich ein Gedenkzug in Richtung Pauritzer Straße in Bewegung. Wie schon in der Kirche begleiteten Licht-Tüten mit den Namen und Lebensdaten der im Zuge der Pogromnacht im Altenburger Land verhafteten jüdischen Einwohner den Gedenkzug. Es war der Wunsch der Organisatoren, die Opfer der Pogromnacht symbolisch in der Mitte der Teilnehmer zu halten. An der Gedenktafel, die an den jüdischen Betsaal erinnert, wurden Kränze und Blumen niedergelegt. Am Gebäude Johannisstraße 5/6 und am ehemaligen Polizeigebäude Bei der Brüderkirche 1 erinnerte Mitorganisator Christian Repkewitz mit persönlichen Schilderungen von Angehörigen der Pogromopfer an bewegende Einzelschicksale von Juden aus Altenburg und Gößnitz.

In der Brüderkirche stand dann das Gedenken an die friedliche Revolution vor 30 Jahren im Mittelpunkt. Oberbürgermeister André Neumann nannte die Brüderkirche das „steinerne Symbol der friedlichen Revolution in Altenburg“, weil das Gotteshaus schon vor dem 9. November 1989 all jenen ein politisches Forum geboten hatte, „denen die Grenzen in der DDR zu eng waren“.

Der Oberbürgermeister würdigte den Mut der Bürgerrechtler der ersten Stunde. „An Jahrestagen wie dem heutigen sollten wir uns vergegenwärtigen, welchen besonderen Beitrag die vielen Akteure der friedlichen Revolution geleistet haben, dass sie sich für die gesamte Gesellschaft stark gemacht und unser heutiges freies Leben erst ermöglicht haben. Ich möchte diesen – zumeist stillen – Helden der friedlichen Revolution im Namen der Stadt Altenburg und ganz persönlich meinen aufrichtigen Dank aussprechen, ich zolle ihnen meine Anerkennung und meinen höchsten Respekt“, so das Stadtoberhaupt.


Gedenkveranstaltungen Zum Schluss brachten Akteure des „TanzRaums“ in der Brüderkirche eine Mauer zum Einsturz. (Fotos: C. Bettels)

Zur Erinnerung an den Tag der Grenzöffnung sprach Pfarrer Sandro Vogler dann ein Friedensgebet. Schließlich brachten die Akteure des „TanzRaum Altenburg“ unter der Regie von Anja Losse eine aus Kartons bestehende Mauer, die in der Kirche aufgebaut worden war, zum Einsturz.

Die Licht-Tüten des Pogromgedenkens fanden – wie schon im Vorjahr – nach dem Abschluss des zweiten Veranstaltungsteils in den Wohnungen oder Büros von Teilnehmern der Gedenkveranstaltung einen Platz.

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