Die Sonderprojekte der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg im Rahmen von Arbeitsmarktmaßnahmen


Unmittelbar nach Verleihung der Zuständigkeit für die Untere Denkmalschutzbehörde an die Stadt Altenburg wurde als zusätzliche Aufgabe über die üblichen Arbeitsaufgaben der Unteren Denkmalschutzbehörde hinaus, ab dem 19.12.1994 mit zwei Mitarbeitern ein erstes ABM-Projekt zur Vervollständigung der vorhandenen Hausakten der Unteren Denkmalschutzbehörde begonnen. Dabei wurden Fotodokumentationen angefertigt, Archivrecherchen durchgeführt und Literatur ausgewertet.
Vor Beginn dieser Arbeiten bestanden die damals vorhandenen Hausakten überwiegend nur aus den, soweit vorhanden, "alten" Denkmalerklärungen und Schriftverkehr.
Aus diesem anfänglichen Projekt wurde in den folgenden Jahren, vor allem auch in Abstimmung mit der Abteilung Erfassung und Inventarisation des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, eine Vielzahl spezieller Projekte entwickelt.
Das übergeordnete Ziel dieser Projekte und der gesamten Tätigkeit besteht darin, umfassende Informationen zu den Kulturdenkmalen und Denkmalensemblebereichen in der Stadt Altenburg und den eingemeindeten Ortschaften zu gewinnen und darüber hinaus durch weitergehende Recherchen zur Baugeschichte, zu Architekten, Baumeistern, Firmen, Spezialgebieten und zur Stadt- und Heimatgeschichte ein immer umfassenderes Gesamtbild der baulichen Entwicklung der Stadt Altenburg in den letzten Jahrhunderten zu entwickeln.

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Informationen stehen einem umfassenden Personenkreis (u.a. Bürger, Heimatforscher, Planer, Hauseigentümer, Schüler, Studenten, Lehrer, Touristen, Fachreferate der Verwaltung, Journalisten, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, wissenschaftliche Einrichtungen) als Quelle zur Verfügung.

In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass der bisher erstellte Bestand vor allem durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und die Bauhaus-Universität als auch durch eine Vielzahl weiterer Nutzer als beispielgebend und weitestgehend einzigartig eingeschätzt wird. Dies bezieht sich sowohl auf den Umfang als auch auf die fachliche Qualität des Materials. Hierzu zählen u. a. folgende Arbeiten und Projekte:

- Auswertung und Bearbeitung der unveröffentlichten Manuskripte des Heimatforschers Walter Fuchs zur städtebaulichen Entwicklung der Stadt Altenburg von 1860 bis 1920 (abgeschlossen)

- Sammlung, Reinigung und Katalogisierung von historischen Bauplänen aus dem Bestand der Stadtverwaltung und Übergabe an das Bauarchiv (abgeschlossen)

- Recherchen zu Baumeistern, Architekten und Baufirmen in der Stadt Altenburg (teilweise abgeschlossen)

- Recherchen zu Spezialthemen der Altenburger Baugeschichte, wie z.B. Turnhallen, Schulbauten, Steinbrüche (teilweise abgeschlossen)

- Auswertung der "Altenburger Zeitung für Stadt und Land" ab Jahrgang 1844 und weiterer Publikationen hinsichtlich baugeschichtlicher Informationen zu Kulturdenkmalen und übergreifenden Informationen; auch "Altenburgisches Wochenblatt" 1764 bis 1823 und "Amts- und Nachrichtenblatt" ab 1823 (Weiterführung)

- Auswertung "Kulturspiegel" hinsichtlich baugeschichtlicher Informationen (abgeschlossen)

- Sicherung und Bearbeitung der heimat- und stadtgeschichtlichen Arbeiten der Altenburger Heimatforscher Herta Riehm und Wilhelm Ruhland / teilweise Auswertung (Weiterführung)

- Erfassung, Erschließung und Auswertung baugeschichtlicher Unterlagen von denkmalpflegerisch wertvollen Gebäuden in der Stadt Altenburg / Erstellung von Übersichten für ca. 50 ausgewählte Objekte (teilweise abgeschlossen / Weiterführung)

Die in den Arbeiten und Projekten ermittelten / gewonnenen Erkenntnisse und Informationen finden u.a. in folgenden Bereichen Anwendung:
- Objektbearbeitung, Baubetreuung, Denkmalliste der Stadt Altenburg

- "Tag des offenen Denkmals", Denkmalpreis der Stadt Altenburg "Johann-Georg-Hellbrunn" (u.a. Erstellung der Faltblätter und Ausstellungen)

- Betreuung von Studentenarbeiten (Semester- und Diplomarbeiten)

- Anfragen der Fachreferate / Unterstützung der Fachreferate

- Weiterleitung an das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

- Informationen für Pressebeiträge, Fernsehbeiträge und Rundfunksendungen zur Stadt Altenburg

- Beantwortung von diversen Anfragen (Architekten, Planer, Restauratoren, Bauforscher, Hauseigentümer, Bürger, Touristen, Heimatforscher, Katasteramt, Gutachter, Journalisten, Vereine, diverse Behörden und Institutionen)

- Schülerprojekte / Seminarfacharbeiten / "Jugend forscht"

- Lehrerweiterbildung

- Zuarbeiten Pressestelle

- Erstellen und Bereitstellen aller Texte zur Kennzeichnung von Kulturdenkmalen (touristisches Verkehrsleitsystem)

Die Erfahrungen und Ergebnisse der letzten Jahre haben zu einer kontinuierlichen Erweiterung und Vertiefung sowie Qualifizierung der Arbeit und der Arbeitsaufgaben geführt.

Als entscheidende Grundlage zur Durchführung der Arbeiten ist es zwingend erforderlich, dass die eingesetzten Mitarbeiter über die geforderten Qualifikationen sowie ein besonderes Interesse an dieser Arbeit verfügen und nach den erarbeiteten Projektvorgaben selbständig und eigenverantwortlich die Aufgaben erfüllen.
Mittlerweile kann auch festgestellt werden, dass die gewonnenen Erkenntnisse und das vermittelte Wissen bei den eingesetzten Mitarbeitern eine regelrechte positive Multiplikatorenfunktion für die Problemstellungen Denkmalschutz, Denkmalpflege und Stadtgeschichte bewirkt.

Die erfolgreichen und von tausenden Bürgern besuchten Veranstaltungen zum "Tag des offenen Denkmals" und die Durchführung des "Johann-Georg-Hellbrunn-Preises" wären in der gegenwärtigen Form ohne die o. g. Vorarbeiten und ohne diese zusätzlichen Arbeitskräfte nicht durchführbar.

Jürgen Fröhlich


Sicherung und Bearbeitung der heimat- und baugeschichtlichen Arbeiten der Altenburger Heimatforscher Herta Riehm und Wilhelm Ruhland



Niederschrift aus dem Nachlass des Heimatforschers Wilhelm Ruhland Niederschrift aus dem Nachlass des Heimatforschers Wilhelm Ruhland (Foto: Repro)

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hat der Altenburger Heimatforscher Wilhelm Ruhland damit begonnen, in den Archiven der Stadt Altenburg und darüber hinaus Recherchen zu heimat-, regional- und stadtgeschichtlichen Schwerpunktthemen durchzuführen. In den späteren Jahren wurde Herr Ruhland von der Altenburger Heimatforscherin Herta Riehm bei diesen umfangreichen Aktivitäten unterstützt. Die Ergebnisse dieser Nachforschungen wurden durch Herrn Ruhland auf tausenden kleinen Zetteln handschriftlich niedergeschrieben. Diese Handschriften wechselten nach dem Tode von Herrn Ruhland in den Besitz von Frau Riehm.
In Abstimmung mit dem Stadtarchiv Altenburg, der Abteilung Kultur des Landratsamtes Altenburger Land und dem Baudezernat (Untere Denkmalschutzbehörde) der Stadt Altenburg wurden ausgewählte Teile dieser Handschriften seit Mitte der 90er Jahre gesichtet und ausgewertet.
Auf ausdrücklichen Wunsch von Frau Herta Riehm wurde der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg im Jahre 2003 ein Großteil der vorhandenen Originalunterlagen zum Verbleib, zur Aufbewahrung und Bearbeitung übergeben. Frau Riehm ist im November 2005 verstorben.
Die ungeordneten und nicht bearbeiteten Originalunterlagen wurden im Zeitraum Oktober 2003 bis Ende 2004 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen systematisch erfasst und für eine öffentliche Nutzung vorbereitet.
Im Jahre 2005 wurde begonnen, die die Stadt Altenburg betreffenden Informationen zu sichten und systematisch den betreffenden Kulturdenkmalen / Themengebieten zuzuordnen. Diese Arbeiten werden nun kontinuierlich fortgesetzt.
Der große Umfang der vorliegenden Materialien erlaubt derzeit keine Aussage zur notwendigen Bearbeitungsdauer.


Nachforschungsarbeiten zur Erfassung und Auswertung historischer Unterlagen und Schriften zum Kulturdenkmal "Rote Spitzen"



Zeichnung des freigestellten Portales ohne derzeitige Bebauung Zeichnung des freigestellten Portales ohne derzeitige Bebauung (Foto: Repro)

Die weithin sichtbaren und stadtbildprägenden Türme der so genannten "Roten Spitzen" sind das Wahrzeichen der Stadt Altenburg.
In Abstimmung mit verschiedenen Kooperationspartnern (u.a. dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie) beabsichtigt die Stadt Altenburg in den nächsten Jahren umfangreiche und grundlegende Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Gesamtanlage vorzubereiten und durchzuführen. Voraussetzungen hierfür ist die Bereitstellung der beantragten Fördermittel.
Für dieses wichtige Vorhaben sind umfangreiche Kenntnisse der stadt- und baugeschichtlichen Zusammenhänge und Abläufe sowie der zugehörigen Quellen eine entscheidende Voraussetzung. Im Rahmen der wissenschaftlichen Vorarbeiten sollen hierzu durch Bauforscher die notwendigen Untersuchungen durchgeführt werden. Weiterhin ist vorgesehen, wegen ihrer herausragenden und überregionalen Bedeutung, ein wissenschaftliches Kolloquium zu den "Roten Spitzen" vorzubereiten und durchzuführen.
Im Rahmen des Sonderprojektes sollen hierfür erforderliche Vorleistungen erbracht werden und in den Archiven der Stadt Altenburg alle auffindbaren historischen Unterlagen und Schriften sowie Fotos und Zeichnungen erfasst und bezüglich ihres Inhaltes ausgewertet werden.
Die Ergebnisse werden bearbeitet und in Form eines Verzeichnisses mit Stichworten / Kurzangaben aufgelistet.
Mit diesem Verzeichnis sollen ein schnellstmöglicher Zugang zu den Archivunterlagen und eine gezielte Auswahl an Informationen ermöglicht werden.


Nachforschungen zur Baugeschichte der Stadt Altenburg und Erfassung der Ergebnisse / Weiterführung der Auswertung historischer Altenburger Zeitungen



Dieses Vorhaben wird schon seit mehreren Jahren bearbeitet. Das Ziel besteht darin, im weitesten Sinne baugeschichtliche Informationen zur Stadt Altenburg zu erfassen.
Zu diesem Themenkreis gehören u.a. folgende Fragestellungen:
- Stadtentwicklung / Stadtplanung / Bebauungspläne

- einzelne Bauvorhaben / Bauberichte

- Baufirmen, Baumeister, Architekten

- Eigentümer und Eigentümerwechsel.

Hierfür werden alle im Stadtarchiv vorhandenen Jahrgänge der "Altenburger Zeitung für Stadt und Land" (Verlag Oskar Bonde) ab dem Jahrgang 1848 systematisch geprüft und die zu o.g. Fragestellungen enthaltenen Informationen erfasst.
Die gefundenen Texte, Artikel oder Annoncen werden abgeschrieben, registriert, ausgewertet und den jeweiligen Hausakten zu den Kulturdenkmalen oder zu den verschiedenen Sonderthemen zugeordnet.
Der besondere Wert der gewonnenen Informationen besteht darin, dass sie die zeitgenössischen und damit zur jeweiligen Zeit aktuellen Themen, Fragestellungen und Inhalte wiedergeben. So gibt es zum Beispiel viele lange und detaillierte Berichte und Beschreibungen der Bauarbeiten am neuen Bahnhof in der Wettinerstraße von 1877-1879 oder von 1886 euphorische Artikel und Beschreibungen (u.a. Ausstattungsdetails sowie Auflistungen beteiligter Handwerker und Firmen) zum Neubau des Hotels "Wettiner Hof" am Josephsplatz (heute Theaterplatz 7/8, ARGE Altenburger Land).
Manchmal werden auch einige lustige Begebenheiten und Kuriositäten in den alten Zeitungen gefunden.
Die bisher gewonnenen Erkenntnisse und baugeschichtlichen Informationen werden in vielen Fällen bei der Unteren Denkmalschutzbehörde und auch beim Landesamt für Denkmalpflege u.a. für Beschreibungen der Kulturdenkmale oder auch als Grundlagen- und Hintergrundwissen für aktuelle Baumaßnahmen genutzt. Einzelne Informationen wurden auch der örtlichen Presse für spezielle Beiträge zur Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt.
Im Zusammenspiel mit den weiteren Projekten trägt diese Maßnahme dazu bei, das umfassende Bild und das Wissen zur Baugeschichte Altenburgs im 19. Jahrhundert weiter zu vervollkommnen.
So wurden beispielsweise zu den erfassten Bauzeichnungen (Projekt historische Baupläne) die entsprechenden Baubeschreibungen und die ausführenden Firmen gefunden.


Aufarbeitung und Erfassung der historischen Pläne des Kreisarchivs zu Gebäuden in der Stadt Altenburg (Jahrgänge 1860 - 1901)



Mit der zunehmenden Bedeutung der Stadt Altenburg und der Zunahme des Baugeschehens wurde um 1900 bei der Stadt Altenburg eine eigene Baupolizei (Bauaufsichtsbehörde) eingerichtet.
Alle Bauvorhaben vor dieser Zeit wurden durch die herzogliche Bauaufsichtsbehörde kontrolliert. Die Akten hierzu liegen heute im Kreisarchiv beim Landratsamt.
In enger Zusammenarbeit zwischen dem Kreisarchiv und der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg soll dieses Projekt dazu dienen, den umfangreichen und nicht öffentlich zugänglichen Bestand an historischen Originalaufzeichnungen zu Gebäuden in der Stadt Altenburg aufzuarbeiten, neu zu erfassen und eine öffentliche Zugänglichkeit / Nutzung zu ermöglichen.
Die originalen Bauzeichnungen befinden sich fest eingeklebt in großen Mappen, die nach Jahrgängen geordnet sind. Oftmals fehlen Angaben zur Lage der Gebäude, zur Straße und Hausnummer sowie zum Namen der Objekte. Geänderte Straßennamen erschweren die Arbeit zusätzlich. Einige geplante Gebäude wurden nicht gebaut, andere bereits abgerissen oder stark umgebaut. Derzeit ist eine Suche von Objekten nur nach Jahrgängen und nicht nach Straße und Hausnummer möglich.
Im Einzelnen werden folgende Arbeiten bei diesem Projekt durchgeführt:

- Anfertigen von Fotos der Pläne (Ausdruck und Datenträger)

- teilweise Identifizierung der Objekte (Straße, Hausnummer)

- Erstellung einer Registratur nach Straßen und Hausnummern

- Zuordnung der Pläne zu den Hausakten / Objektmappen

Das Gesamtprojekt ist von großem Nutzen für die öffentlichen, kirchlichen und privaten Eigentümer und Bauherren. Bereits jetzt konnten schon in vielen Fällen Pläne für Objekte gefunden werden, bei denen lange Zeit geglaubt wurde, dass es keine Zeichnungen gibt.
Je nach Einzelfall existieren entweder einzelne Zeichnungen oder komplette Blätter mit Ansichten, Schnitten, Grundrissen und Details. In vielen Fällen sind diese alten Zeichnungen auch künstlerisch sehr wertvoll und von hoher Qualität.
Da mehrere tausend Blätter zu erfassen sind, kann der genaue Umfang des Projektes und dessen Dauer nicht eingeschätzt werden. Im Zusammenspiel mit den weiteren Projekten trägt diese Maßnahme dazu bei, das umfassende Bild und das Wissen zur Baugeschichte Altenburgs im 19. Jahrhundert weiter zu vervollkommnen.


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