Bedeutende Neuzugänge im Stadtarchiv

01.03.2019

Alwo-Vermächtnis aufgearbeitet

Stadtarchiv Celina Sabanovic (Auszubildende), Ursula Schreiber (Leiterin) und Susan Pleintinger (Sachbearbeiterin) zeigen Mustertafeln für Strickgarne, die zu den Neuzugängen des Stadtarchivs gehören. (Fotos: Ronny Seifarth)

Umfangreiche Aktenbestände und besondere Erinnerungsstücke zur „alwo“ sind im Vorjahr im Altenburger Stadtarchiv (Schloßberg 2) aufgearbeitet worden. Es handelt sich um bemerkenswerte Neuzugänge, die gewissermaßen das Vermächtnis der Wollspinnerei J. G. Schmidt, später „alwo“ (Altenburger Wollspinnerei), bilden. Für die Einsichtnahme stehen Interessierten 271 Akten aus der Zeit von 1824 bis 2004 zur Verfügung. Um eine rechtzeitige vorherige Anmeldung wird gebeten.
Die archivierten Akten gewähren Einblicke in ein bedeutendes Kapitel der Stadtgeschichte, dessen erste Seiten im frühen 19. Jahrhundert geschrieben werden. Die Söhne des Garnhändlers J. G. Schmidt gründeten 1829 in Altenburg eine Wollspinnerei mit eigener Färberei. Das Jahr 1834 förderte mit einem Wollmarkt auf dem Roßplan schwunghaft den Wollhandel. In Amerika bei Penig ging die Baumwollspinnerei Börner in Konkurs. 1839 entschloss man sich das Unternehmen anzukaufen und als Wollspinnerei umzubauen. Als Zweigwerk der Altenburger Wollspinnerei wuchs die Spinnerei in Amerika schnell. Die Mitarbeiterzahlen stiegen stetig und das Unternehmen wurde international. Dafür war es erforderlich sich ein eigenes Warenzeichen zuzulegen. 1897 wurde beim Kaiserlichen Patentamt das Zeichen „Schmidtsche Wolle“ angemeldet. Später wurde es durch das Bildzeichen „Strickende Hände“ erweitert.
1910 gab es schon circa 400 Beschäftigte in Altenburg. Die Räumlichkeiten für die Produktion in Altenburg waren durch die ständig wachsenden Aufträge nicht mehr ausreichend. Es wurde über Alternativen nachgedacht und sich für ein ausreichend großes Flurstück in Bahnhofsnähe in der Flur Kotteritz entschieden. Eine moderne Fabrikanlage mit Gleisanschluss und Wohnungen für Mitarbeiter entstanden. Allein im Jahr 1934 wurden 1265 Tonnen Wolle hergestellt. In den letzten Jahren des 2. Weltkrieges sank die Produktion auf nur 735 Tonnen. Der Fokus lag auf Garnen für Strümpfe und Pullover für den militärischen Bedarf.
1948 erfolgte die Enteignung des Betriebes. Im Jahr 1964 wurde dann das Warenzeichen „alwo“ für den nun volkseigenen Betrieb geschaffen. Zwischen den Jahren 1969 bis 1972 expandierte die „alwo“. Durch die Angliederung der Betriebe Brandenburg, Berga, Rodewisch, Gößnitz, Glauchau und Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, wurde der Betrieb zum Alleinhersteller von Handstrickgarnen und Teppichkammgarnen aus reiner Wolle. Ein Devisenkredit ermöglichte 1984 den Einkauf moderner Produktionstechnik, um für den „Exquisit Handel“ attraktiv zu sein.
1990 schloss die Treuhand alle Zweigbetriebe. Für das Hauptwerk in Kotteritz konnte erst fünf Jahre später 1995 ein neuer Investor gefunden werden. Leider hatte die „alwo“ zu diesem Zeitpunkt keine Chance mehr sich auf dem Markt zu etablieren und stellte im Mai 2002 die Produktion auch hier ein.
Die Treuhand verfügte nach der Schließung die Übergabe des schriftlichen Vermögens der „alwo“ an „Rhenus Office“, ein europaweit tätiger Dienstleister im Bereich Dokumenten- und Informationslogistik. Nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsfristen wurden die als historisch eingestuften Aufzeichnungen im Oktober 2014 an das Stadtarchiv Altenburg übergeben.
Die Übergabe wurde mit privaten Aufzeichnungen sowie Mustertafeln zur hergestellten Wolle durch den ehemaligen Betriebsleiter Johannes Förster im Mai 2018 komplettiert, wofür das Stadtarchiv Altenburg auf diesem Wege danken möchte. Mit seiner Hilfe war es möglich, fehlende Lücken zu schließen. Die Initiative von Johannes Förster zeigt, wie wichtig private Schenkungen für das geschichtliche Vermächtnis der Stadt Altenburg sein können.
Wer sich für die archivierten Erinnerungsstücke an die alwo interessiert und sie im Stadtarchiv auf dem Schloßberg einsehen möchte, sollte sich wie eingangs erwähnt rechtzeitig anmelden, Telefon: (03447) 57 90 62.


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