Zur Geschichte Goldener Pflug

Goldener Pflug

Die Geschichte des "Goldenen Pflugs" spiegelt die bewegte Stadtgeschichte wider. Die Anfänge reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Aus historischen Quellen ist überliefert, dass ein gewisser Joh. Philipp Müller im Jahre 1683 vor dem damaligen Johannistore ein "Schenkhaus nebst Garten" erwirbt. Im Jahre 1705 stand vor dem Johannistor der Gasthof "Zum Pelikan". Der Vorgänger des späteren "Goldenen Pflugs" war wohl deshalb nach dem Pelikan benannt worden, weil dieser Vogel damals als Sinnbild aufopferungsvoller Mutterliebe galt. Bei dem Gasthof handelte es sich um ein bloßes Schankhaus.

Im Jahre 1772 ist das erste Mal vom "Gasthof zum Goldenen Pflug" die Rede. 1775 wird dieser Gasthof versteigert. Meistbietend zu haben sind: drei Stuben, vier Kammern, eine Hauskammer, Küche, Keller, Pferdestall, der Tanzboden, eine Kegelbahn und ein großer Obst- und Gemüsegarten. Belegt ist, dass der offenbar wohlhabende Michael Kirmse aus Kosma den Goldenen Pflug 1784 für 1600 Mark erwirbt. 1792 ersucht Kirmse den Herzog Ernst von Altenburg-Sachsen um die Erteilung einer Gasthofsprivilegie, der Herzog gibt dem Ersuchen statt. Zu der Zeit dient der Goldene Pflug vor allem Bauern als geselliger Treffpunkt, Fremden bietet sich eine Herberge. Herausragende Ereignisse sind die traditionellen Bauernbälle.

Im Jahre 1839 beginnt der Straßenbau in der heutigen Zeitzer Straße. Diesem Projekt fällt ein Teil des zum Pflug gehörenden Gartens zum Opfer. Im Jahre 1848 sorgt ein Brand für Aufsehen: In den Abendstunden des 1. Dezember werden eine Scheune, eine Kegelbahn, ein Zwischen- und ein Quergebäude ein Raub der Flammen. Anstelle dieser Objekte werden unter anderem ein großer und zwei kleine Säle aufgebaut.

Überliefert ist, dass am 5. Mai des Jahres 1860 die Gründungsveranstaltung des Altenburger Turnvereins im Goldenen Pflug stattfindet.

Im Krieg gegen Frankreich besetzen Soldaten Altenburg. In der Zeit vom September 1870 bis April 1871 beherbergt der Goldene Pflug sowohl deutsche als auch französische Verwundete und Kranke.

1874 ersteigert der Maurermeister Wilhelm Wagenbreth die Gastwirtschaft samt Garten. Er lässt bis 1878 die Häuser Goldener Pflug 2, 3 und 4 errichten. Bis 1888 lässt der Maurermeister den Goldenen Pflug vollständig erneuern. Moderne Technik hält Einzug, 1884 wird ein Heizhaus errichtet. In Zeitungen steht zu lesen, dass das größte und schönste Verkehrslokal in und um Altenburg entstanden ist.
1904 wird der Goldene Pflug an die "Altenburger Aktienbrauerei" verkauft, die Pächter werden von nun an verpflichtet, ausschließlich Altenburger Bier auszuschenken.

1914 beginnt der erste Weltkrieg, die Militärverwaltung nutzt den Goldenen Pflug als Reservelazarett.

1920 kauft die Gewerkschaft des Konsumvereins das traditionsreiche Anwesen von der Aktienbrauerei für den stolzen Preis von 500.000 Mark. Am 1. Mai 1921 feiern die Gewerkschaften die Übernahme des "Volkshauses Goldener Pflug".

In den Morgenstunden des 4. November 1926 richtet ein Feuer erhebliche Schäden an. Der große Saal, der Dachstuhl des Hauptgebäudes über eine Länge von 55 Metern und die Hotelzimmer werden durch den Brand vernichtet. Am 10. Dezember 1927 wird der wieder auf- und umgebaute Goldene Pflug mit einer Festveranstaltung neu eröffnet.

1933 eignen sich die Nazis den Goldenen Pflug an. Sie durchsuchen die Räume der Gewerkschaften, der Generalstaatsanwalt beschlagnahmt das Gebäude und stellt es unter die Zwangsverwaltung der "Deutschen Arbeiterfront". Die neuen Machthaber benennen ihrer Beute in "Walter-Schumann-Haus" um, die gastronomische Bewirtschaftung kommt in den Folgejahren allerdings nicht in Schwung.

1939 bricht der zweite Weltkrieg aus, das Grundstück geht in Eigentum des Landes über. 1941 bezieht die Tuberkolose-Fürsorgestelle der Stadt Altenburg im so genannten Walter-Schumann-Haus Quartier. 1942 wird das Gebäude Sitz von mehreren Behörden. Ab 1943 dient der Goldene Pflug als Luftschutzkeller.

Nach Kriegsende wird das ehemalige Volkshaus an die Gewerkschaften zurückgegeben. Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund erwirbt das Grundstück im November 1945 für 147.000 Reichsmark. Die Gastwirtschaft war in der Nazi-Zeit heruntergekommen, um den Pflug bewirtschaften zu können, mussten umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt werden.

Bis 1952 wird die Gaststätte privat betrieben. Dann wird aus dem Volkshaus ein Klubhaus der Gewerkschaften. Auch die HO (Handelsorganisation) steigt in die Bewirtschaftung von Gasträumen und Sälen ein. Am 13. September 1962 wird der Goldene Pflug zum "Kreiskulturhaus". 1987, bis zur politischen Wende werden noch zwei Jahre vergehen, erfolgt der Neubau von fünf Garagen.

Nach der politischen Wende war lange Zeit unklar, was mit dem einstigen Volkshaus geschehen soll. Es war dem schleichenden Verfall preisgegeben, letztlich kam es wie bekannt zum Abriss des historischen Gebäudes. Im Dezember 2002 legten Thüringens Sozialminister Frank-Michael Pietzsch, Landrat Sieghardt Rydzewski und Oberbürgermeister Michael Wolf gemeinsam den Grundstein für den "Neuen Goldenen Pflug".

Quelle: Thüringer Staatsarchiv
Stadtarchiv

Recherche: Bärbel Schneller

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